Ellen Jacob

 

Ellen Jeanette Jacob wurde am 17.Oktober 1925 in Giessen geboren. Ihre Eltern waren Theo David Jacob und Clothilde Jacob, geborene Blumenthal. Theo David Jacob hatte zunächst bis Mitte der 20er Jahre als Generalagent einer Darmstädter Bank in Giessen gearbeitet, diese Stellung aber schließlich aufgegeben. In den Akten zu den Entschädigungsverfahren heißt es dazu, David Jacob habe die Stellung notgedrungen gekündigt, „da er als Jude nicht länger beschäftigt werden konnte.“ Er verdiente daraufhin seinen Lebensunterhalt als Vertreter einer Versicherungsgesellschaft. Zwischen 1939 und seiner Deportation 1942 wurde Theo David Jacob zu Zwangsarbeiten an Bahngleisen im Giessener Raum herangezogen.

Seine Tochter Ellen hatte drei ältere Geschwister. Hannelore, Amalie und Günther. Laut Gedenkbuch des Bundesarchivs wurden neben Ellen auch Günther sowie die beiden Eltern im Zuge der Deportation iTextfeld:  
Das Ghettohaus Walltorstr. 48









m September 1942 ermordet. Amalie und Hannelore überlebten den Holocaust.

Die Familie wohnte zunächst in der Stephanstr. 28, musste aber später umziehen in ein Ghettohaus in der Walltorstraße.

 

Zu Ellen Jacob findet sich im Klassenbuch der Vermerk:

„Am 24.3. laut Verfügung des Stadtschulamtes entlassen.“ In einer eidesstattlichen Erklärung versichert Ellens Schwester Hannelore nach dem Krieg dazu, Ellen habe die Schule „aus rassistischen Gründen verlassen, zumal sie auch auf dem Schulweg von den Mitschülern geschlagen, angespuckt und mit Judensau betitelt wurde.“

Ellen wurde, wie viele andere jüdische Kinder, notdürftig auf einer inoffiziellen Schule für Juden in Bad Nauheim unterrichtet, konnte aber später als Jüdin keinen ordentlichen Beruf mehr erlernen.

1940, Ellen war gerade mal 15 Jahre alt, ging sie für ein Vierteljahr nach Düsseldorf und machte ein Praktikum in einer Pension in der Sternstraße 14, wo viele Juden verkehrten.

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Ellen Jacob vorne links


















Aus Ellens Akte geht hervor, dass sie sich darum bemüht hat, nach Amerika auszuwandern und dort als eine Art Au-Pair-Mädchen zu arbeiten. Die Vorbereitungen in dieser Sache waren schon recht weit vorangekommen. Ellen musste sich allerdings noch von einem Arzt für die amerikanischen Behörden bestätigen lassen, dass sie körperlich gesund ist. Die Untersuchung wurde im jüdischen Hospital in Frankfurt in der Gagernstraße durchgeführt, und sie erbrachte nicht das gewünschte Ergebnis. An Ellens Herz wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt, die medizinisch nicht richtig eingeordnet werden konnten. Jedenfalls erhielt sie nicht die so dringend benötigte Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Vereinigten Staaten. Diese Tatsache machte alle Hoffnungen auf eine Ausreise zunichte, und sicherlich vermag niemand von uns sich vorzustellen, was für eine Katastrophe diese Entwicklung für Ellen und ihre Familie bedeutete, denn alle waren sich der Bedrohung durch Nazideutschland sicher bewußt. Dies erkennt man auch an den weitergehenden Bemühungen von Ellens Eltern, ihre Tochter vielleicht in England oder Holland in Sicherheit zu bringen. Allerdings verliefen auch diese neuerlichen Versuche, Ellen außer Landes zu bringen, erfolglos im Sande.

Ellen Jacob wurde schließlich im September 1942 zusammen mit vielen anderen Giessener Juden zunächst einige Tage in das Sammellager in die Goetheschule gebracht, dann nach Darmstadt deportiert und schließlich im Konzentrationslager Treblinka ermordet.

Von einer ehemaligen Mitschülerin von Ellen Jacob wurde uns ein Poesiealbum zur Verfügung gestellt, in dem sich ein Eintrag von Ellen vom 3.2.1938 findet. Er lautet: „So wie die Rose blüht, so blühe auch dein Glück. Und wenn du Rosen siehst, dann denk an mich zurück.“

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Eintrag von Ellen Jacob in das Poesiealbum einer Mitschülerin